Der Carlsbad Cavern National Park im suedlichen New Mexiko beherbergt ein riesiges Hoehlensystem, so gross, dass praktisch der ganze Berg hohl ist. Am besten erfaehrt man die unglaubliche Tiefe der Hoehle, indem man anstatt des Aufzugs den natuerlichen Zugang, einen eine Meile langen Fussweg, waehlt. Dieser fuehrte uns in Serpentinen direkt in den Rachen des Berges. Es ging abwaerts, und zwar lange und tief. Der Blick zurueck war ebenso beeindruckend wie der Blick hinunter in tiefere Gefielde. Wir hoerten die Fledermaeuse piepsen und nach einer Weile gab es auch immer mehr Tropfsteine.
Leider hatten Unmengen von Osterurlaubern heute an diesem bedeckten und kalten Tag die selbe Idee wie wir und schlenderte im Schneckentempo den Berg hinunter. Wir setzten also mal wieder zum Ueberholen an, aber jedes Mal, wenn wir ein Foto machten, wurden wir wieder ueberholt. Ein seltsames Rennen, aber ich bin zum Langsam-Gehen einfach zu ungeduldig.
Auch der Grund der Hoehle, der "Big Room" war sehr beeindruckend, schon allein wegen seiner unglaublichen Groesse, aber auch wegen sehr schoener, uralter und riesiger Tropfsteine, die - ich gebe es zu - die sauerlaendischen Hoehlen doch ein wenig in den Schatten stellen. Auf einem weiteren etwa eine Meile langem Rundgang konnte man den grossen Raum auf eigene Faust erkunden. Auch hier ueberholten wir jede Menge anderer Besucher und machten jede Menge Fotos.
Bergauf mussten wir im Gegensatz zu unserer Wanderung am Grand Canyon nicht selber laufen - ich glaube, es ist sogar nicht mal erlaubt, den steilen und schmalen Weg zurueck zu gehen - sondern konnten den Aufzug nehmen. Das Restaurant unten in der Hoehle, das laut Reisefuehrer "unverdauliche Speisen aus Styroporbehaeltern serviert" haben wir uns dann doch gespart. Aber ein weiterer Kuehlschrankmagnet musste meiner Sammlung dann doch noch hinzugefuegt werden. Dieser leuchtet sogar im Dunkeln...
Der Rest des Tages verlief sehr ereignislos, denn wir fuhren durch die "Great Plains", groesstenteils ebene und leere Landschaft. Ab und zu mal ein schaebiges Haus, eine aufgegebene Geisterstadt, eine einsame Oelpumpe.
Fort Stockton, wo wir heute uebernachten, ist ein armseliges, heruntergekommenes Kaff, das allenfalls mit Trona um einen Titel bei "Unser Dorf soll schoener werden" konkurieren koennte. Das schlechte Wetter macht es natuerlich auch nicht gerade ansehnlicher. Unser Hotel war wohl einmal ein ehrgeiziges Projekt und der Versuch, Touristen nach Fort Stockton zu locken. Schoene grosszuegige Zimmer mit Kuechenecke, Ess- und Schreibtisch, Wireless Internet und allem drum und dran sind um eine Indoor-Pool-Landschaft gebaut. Es gibt einen Fitness-Raum, Sauna, Whirlpool und natuerlich einen schoenen beheizten Pool, alles sehr schoen mit Palmen und Gruenpflanzen dekoriert. Das Ganze fuer $73 pro Nacht, da kann man ja wirklich nicht meckern.
Beim naeheren Hinschauen allerdings sieht man dann die Spuren der Vernachlaessigung. Im Zimmer gibt es eine Kaffeemaschine, aber keinen Kaffee. Im Fitnessraum funktionieren die Geraete nur halb - was mich aber nicht davon abhalten konnte, sie zu benutzen - und in der Sauna loesen sich die Fliesen vom Boden ab.
Trotzdem ist es natuerlich sehr schoen, im Whirlpool zu entspannen und fuer das Wetter, das sich den ganzen Tag nieselregnerisch und kalt gegeben hat, auf jeden Fall eine bessere Wahl als Camping im Big Bend National Park.
Hier werde ich morgen wohl nicht laufen gehen, sondern lieber warten, bis wir in Del Rio ankommen, denn die Fahrt ist nicht endlos weit und schoener als hier ist es eigentlich ueberall...
06 April 2007
Unter der Erde und am Ende der Welt
Eingestellt von
Kerstin
um
20:22
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Kommentare
05 April 2007
Wilder Westen inklusive
Wie das auf Reisen so ist: Manchmal hat man Internet, manchmal nicht. Weder gestern in Tombstone, Arizona noch heute in El Paso, Texas haben wir Wireless Internet, also wird dieser Bericht wohl mit Verspaetung erscheinen muessen.
Wir sind jedenfalls nach der Grand Canyon Besichtigung wieder in die Wueste gekommen, immer noch relativ hoch ueber dem Meeresspiegel, aber doch einiges niedriger als Flagstaff, weiter suedlich und daher auch waermer und trockener.
Tombstone, "The Town to tough to die", ist eine erstaunlich gut erhaltene und trotzdem lebendige richtige alte Westernstadt mit staubiger Main Street - gluecklicherweise fuer den Autoverkehr gesperrt, was in Amiland ja selten vorkommt - auf der sich beruehmte historische Schiessereien abgespielt haben. Die Gebaeude auf der Main Street sind original erhalten, mit Saloons, in denen sich echte und verkleidete Cowboys und Touristen tummeln, Andenkenlaeden, Museen, aber auch Banken, Apotheken und einem Lebensmittelgeschaeft. Als wir gegen 6 Uhr ankamen, waren allerdings die meisten Geschaefte und Sehenswuerdigkeiten bereits geschlossen, Restaurants und Saloons hatten aber noch auf und wir mussten weder verhungern noch verdursten. Unser schoenes, uriges Motel war ausserdem nur einen Block entfernt von der Hauptstrasse.
Am naechsten Morgen konnte ich es kaum abwarten laufen zu gehen, denn das ist in der Wueste immer ein besonderes Erlebnis. Es war um halb sieben morgens noch angenehm kuehl und die Sonne war gerade erst aufgegangen. Ich lief aus der Stadt hinaus in die Wueste, Staubstrassen folgend und erstmal immer bergab, denn Tombstone liegt am Hang und nach Norden geht es bergab. Doch die klare Luft half, den Weg nach zwei Meilen auch wieder hoch zu laufen. Zum Schluss noch durch die historische Innenstadt, auch ein geniales Erlebnis und dann Fruehstueck draussen vor dem Hotel auf einer Bank im Sonnenschein. Herrlich.
Mit Jon war ich dann auch noch mal auf Stadtrundgang und wir besichtigten den beruehmten Boothill Friedhof, auf dem viele Opfer legendaerer Schiessereien und Justizirrtuemer aus dem Wilden Westen begraben sind.
Wir hatten genug gesehen und fuhren weiter, heute mal komplett ueber Nebenstrassen durch eine Gegend, die fuer jeden Western Kulisse spielen koennte - wir sind schliesslich auch mitten im Wilden Westen. Sogar die ueber 15 m hohen Saguaro-Kakteen, bei Lucky Luke ein unverzichtbarer Bestandteil der Landschaft, kommen eigentlich nur hier vor und wir hatten schon gestern auf der Fahrt nach Tombstone die Gelegenheit, diese im Saguaro National Park ganz aus der Naehe zu bewundern.
Das Thema der heutigen Fahrt war die Grenze zu Mexiko. Wir fuhren so weit suedlich wie moeglich und erlebten neben atemberaubender Landschaft, Leere, Weite, Trockenheit und immer weniger Bergen die Naehe zur mexikanischen Grenze in Form von unzaehligen "Border Patrol" Fahrzeugen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die 3000 Meilen lange Grenze zu bewachen. Als Europaeer offene Grenzen gewohnt war es fuer mich doch irgendwie seltsam, stundenlang an einer gesicherten und streng bewachten Grenze entlang zu fahren.
Wir fuhren durch New Mexiko nach Texas und landeten am fruehen Abend in El Paso, dem amerikanischen Teil einer binationalen und bilingualen Grossstadt auf beiden Seiten der Grenze - in diesem Fall des Rio Grande, der die Grenze markiert. Das Hotel ist relativ alt, besitzt viel "Atmosphaere" und einen Concierge, der sich als ungeheuer geschwaetzig erwies. Stundenlang wurden wir vollgequatscht und als wir dann endlich essen gehen wollten, waren alle Restaurants geschlossen, obwohl es doch erst sieben Uhr war. Wir trafen auf unserem Stadtrundgang nur hunderte von Mexikanern, die mit Einkaufstueten beladen Richtung Grenze marschierten. Die Laeden waren vollgestopft mit billigen Ramsch und das Ganze erinnerte uns doch sehr an den Flohmarkt in San Jose.
Essen die Leute hier etwa kein Abendbrot? Schliesslich fanden wir doch noch ein nettes Restaurant, das tatsaechlich bis Mitternacht auf hat. Da muss ich doch grad mal anmerken, dass es hier zwar kein Ladenschlussgesetz gibt, aber trotzdem alle Laeden und Cafes und ueberhaupt alles zwischen 5 und 6 Uhr dicht macht.
Morgen wollen wir uns dann mal auf Besichtigungstour nach Ciudad Juarez, der mexikanischen Seite der Stadt, machen. Ich bin ja mal gespannt, was fuer Abenteuer da wieder auf uns warten.


