06 April 2007

Unter der Erde und am Ende der Welt

Der Carlsbad Cavern National Park im suedlichen New Mexiko beherbergt ein riesiges Hoehlensystem, so gross, dass praktisch der ganze Berg hohl ist. Am besten erfaehrt man die unglaubliche Tiefe der Hoehle, indem man anstatt des Aufzugs den natuerlichen Zugang, einen eine Meile langen Fussweg, waehlt. Dieser fuehrte uns in Serpentinen direkt in den Rachen des Berges. Es ging abwaerts, und zwar lange und tief. Der Blick zurueck war ebenso beeindruckend wie der Blick hinunter in tiefere Gefielde. Wir hoerten die Fledermaeuse piepsen und nach einer Weile gab es auch immer mehr Tropfsteine.

Leider hatten Unmengen von Osterurlaubern heute an diesem bedeckten und kalten Tag die selbe Idee wie wir und schlenderte im Schneckentempo den Berg hinunter. Wir setzten also mal wieder zum Ueberholen an, aber jedes Mal, wenn wir ein Foto machten, wurden wir wieder ueberholt. Ein seltsames Rennen, aber ich bin zum Langsam-Gehen einfach zu ungeduldig.


Auch der Grund der Hoehle, der "Big Room" war sehr beeindruckend, schon allein wegen seiner unglaublichen Groesse, aber auch wegen sehr schoener, uralter und riesiger Tropfsteine, die - ich gebe es zu - die sauerlaendischen Hoehlen doch ein wenig in den Schatten stellen. Auf einem weiteren etwa eine Meile langem Rundgang konnte man den grossen Raum auf eigene Faust erkunden. Auch hier ueberholten wir jede Menge anderer Besucher und machten jede Menge Fotos.

Bergauf mussten wir im Gegensatz zu unserer Wanderung am Grand Canyon nicht selber laufen - ich glaube, es ist sogar nicht mal erlaubt, den steilen und schmalen Weg zurueck zu gehen - sondern konnten den Aufzug nehmen. Das Restaurant unten in der Hoehle, das laut Reisefuehrer "unverdauliche Speisen aus Styroporbehaeltern serviert" haben wir uns dann doch gespart. Aber ein weiterer Kuehlschrankmagnet musste meiner Sammlung dann doch noch hinzugefuegt werden. Dieser leuchtet sogar im Dunkeln...


Der Rest des Tages verlief sehr ereignislos, denn wir fuhren durch die "Great Plains", groesstenteils ebene und leere Landschaft. Ab und zu mal ein schaebiges Haus, eine aufgegebene Geisterstadt, eine einsame Oelpumpe.
Fort Stockton, wo wir heute uebernachten, ist ein armseliges, heruntergekommenes Kaff, das allenfalls mit Trona um einen Titel bei "Unser Dorf soll schoener werden" konkurieren koennte. Das schlechte Wetter macht es natuerlich auch nicht gerade ansehnlicher. Unser Hotel war wohl einmal ein ehrgeiziges Projekt und der Versuch, Touristen nach Fort Stockton zu locken. Schoene grosszuegige Zimmer mit Kuechenecke, Ess- und Schreibtisch, Wireless Internet und allem drum und dran sind um eine Indoor-Pool-Landschaft gebaut. Es gibt einen Fitness-Raum, Sauna, Whirlpool und natuerlich einen schoenen beheizten Pool, alles sehr schoen mit Palmen und Gruenpflanzen dekoriert. Das Ganze fuer $73 pro Nacht, da kann man ja wirklich nicht meckern.
Beim naeheren Hinschauen allerdings sieht man dann die Spuren der Vernachlaessigung. Im Zimmer gibt es eine Kaffeemaschine, aber keinen Kaffee. Im Fitnessraum funktionieren die Geraete nur halb - was mich aber nicht davon abhalten konnte, sie zu benutzen - und in der Sauna loesen sich die Fliesen vom Boden ab.
Trotzdem ist es natuerlich sehr schoen, im Whirlpool zu entspannen und fuer das Wetter, das sich den ganzen Tag nieselregnerisch und kalt gegeben hat, auf jeden Fall eine bessere Wahl als Camping im Big Bend National Park.
Hier werde ich morgen wohl nicht laufen gehen, sondern lieber warten, bis wir in Del Rio ankommen, denn die Fahrt ist nicht endlos weit und schoener als hier ist es eigentlich ueberall...

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