5 Wochen 6 Tage
Endlich scheint die Kältewelle, die auch über Florida hereingebrochen war, mal ein Ende zu haben oder uns wenigstens für eine Weile zu verschonen. Wozu haben wir uns denn durch den heißen Sommer gequält, wenn wir jetzt frieren und unser Baby in warme Pullover, Wollmützen und Handschuhe einpacken müssen?
Das Wochenende jedenfalls hat uns mal wieder entschädigt und gezeigt, wie das perfekte Winterwetter hier aussieht. Und natürlich haben wir es ausgenutzt.
Am Samstag Morgen mussten wir früh raus, denn mein erster 5-km-Lauf ohne Niklas stand an. Seit Mai hat er mich bei jedem Rennen begleitet, diesmal war er zum ersten Mal "nur" Zuschauer. Jon wollte selber nicht mitlaufen und hat sich bereit erklärt auf das Baby aufzupassen während ich mal sehen wollte, wo ich nach 3-4 Wochen Laufen stehe und was trotz der bisher nur sehr kurzen Strecken und der nicht mal 6 Wochen zurückliegenden Geburt so geht.
Bei perfektem Laufwetter, 11 Grad, bedeckt und so gut wie windstill gab ich mein Bestes. Es war hart, es war anstrengend, 5 km kamen mir sehr weit vor, und es war total klasse! Wie herrlich, nicht mehr schwanger zu sein und ohne dicken Bauch einfach loslaufen zu können.

Die beiden ersten Meilen lief ich auch noch wunderbar gleichmäßig mit jeweils 7:30/Meile (4:39/km), in der dritten reichte die Kondition dann doch nicht ganz aus. Ich hatte damit schon gerechnet und einen Plan im Kopf, also verzweifelte ich nicht, sondern verlangsamte mein Tempo einfach soweit wie nötig mit Kraft für einen ordentlich langen Endspurt, bei dem ich noch auf den letzten Metern einen Herrn vor mir einsammeln konnte. Mit dem Ergebnis von 23:37 (4:43/km, eine Sekunde schneller als mein Tempo in Boston) bin ich auf jeden Fall zufrieden, hatte ich doch mit irgendwas um 25 Minuten gerechnet. Dass ich damit auch noch meine Altersgruppe gewann war auf jeden Fall ein schöner Lohn für die Anstrengung.
Damit fühle ich mich nun fit und bereit, wieder mit dem Training anzufangen. In den nächsten 12 Wochen werde ich mit einem 10-km-Anfängerplan auf die Laufserie in der Pfalz vorbereiten, der auch wieder Speedwork, Tempoläufe und Hügeltraining beinhaltet.
Nach der Siegerehrung mussten wir relativ schnell wieder abfahren, denn mittags wollten wir uns mit Stephanie bei den Pferden treffen. Nächstes Wochenende bringt Jon Brownie in sein Zuhause in Tennessee (das heißt, er trifft sich mit den Leuten auf der Hälfte der Strecke in Georgia) und so war nun die letzte Gelegenheit gekommen mit Brownie noch mal in einen schönen Naturpark zu fahren und einen längeren Ausritt zu machen.
Inzwischen hatte es sich sehr schön aufgewärmt und wir hatten viel Freude an einem flotten Ritt auf dem Lake Lizzie Trail.
Meine Männer blieben ausnahmsweise mal zu Hause.
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Am Sonntag Morgen wurden wir wieder von strahlendem Sonnenschein geweckt und wieder nutzte ich Jon's Anwesenheit schamlos aus und ließ ihn mit Niklas zu Hause. Schon seit einer Weile hatte mich mein Rennrad in der Garage angelacht, aber unter der Woche ist das ein bisschen schwierig mit dem Baby. Jetzt war es endlich soweit. Ich musste noch das Rad austauschen und die Reifen aufpumpen, bevor ich mich auf die etwa einstündige 23 km lange Tour machte. Ich hatte schon fast vergessen wieviel Spaß das Rennradfahren macht und gar nicht gewusst, wie sehr ich es vermisst hatte.
Nach so vielen Alleingängen musste auch endlich mal meine Jungs zu ihrem Recht kommen. Jon war noch aufgeputscht von meinem Lauf und entschloss sich, diesmal den langen Lauf zugunsten von 800-m-Intervallen ausfallen zu lassen. Während er in der Mittagshitze schwitzte, ging ich mit Niklas im Kinderwagen spazieren und feuerte Jon an wenn ich ihn traf.

Mit Niklas abwechselnd im Tragetuch und auf Daddys Bauch liegend konnten wir am Nachmittag mit offenen Türen unser "Wohnzimmer draußen", den Florida Raum, nutzen. Niklas gefällt die Schaukel natürlich gut und ich habe beide Hände für andere Dinge frei.
Abgerundet wurde das Wochenende mit einem kleinen Familienausflug zum Strand. Alle zusammen fuhren wir zum Cocoa Beach Pier, zum ersten Mal für Niklas und spielten Touristen. Lange sind wir schließlich nicht mehr hier, da müssen wir die Nähe zum Meer ausnutzen!

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22 Februar 2010
Draußen Spielen
14 September 2008
Camping am Meer
Auch wenn es am Samstag Morgen keinen Trail Run gegeben haette, allein der Campingplatz direkt am Strand von Flagler Beach war absolut eine Reise wert.
Hinter uns liegt ein wunderbares Wochenende und der eigentliche Grund fuer die Fahrt nach Norden war Jack's Trail Race, ein 25-km-Lauf im Gamble Rogers State Park.
Doch schon als wir am Freitag Abend unser Zelt aufbauten waren wir sehr positiv ueberrascht von der herrlichen Lage des Platzes. Ohne es zu wissen hatte ich einen Stellplatz direkt gegenueber des Duenenuebergangs zum Strand reserviert und da die untergehende Sonne die leichten Wolken ueber dem Meer rosa zu faerben begann, dazu das blaue Meer und der eigenartig gelb-orangefarbene Sand hinter den Duenen, bot sich uns gleich zu Beginn ein atemberaubendes Schauspiel. Fehlte nur noch eine im Meer untergehende Sonne, aber das kriegt man hier am Atlantik natuerlich nicht geboten.
Durch den Seewind waren die Temperaturen angenehm und da machte es auch nichts aus, dass sich weder Salat noch Spaghetti in Manny's Restaurant in Flager Beach als kulinarische Delikatesse erwiesen. Danach brauchte ich jedenfalls erstmal einen Verdauungsschnaps...
Auf den Liegestuhlauflagen und dicken Schlafsaecken, die wir von zu Hause mitgebracht hatten schliefen wir hart, aber wesentlich besser als auf unserer bloeden Luftmatratze und haetten nicht Wolken den Horizont verdeckt, so haette ich am naechsten Morgen einen noch strahlenderen Sonnenaufgang ueber dem Meer geniessen koennen. Auch so war es ein schoener Morgen, doch er versprach heiss zu werden.
Normalerweise kann ich 25 km in einem Rennen relativ locker in unter zwei Stunden schaffen. In Boston habe ich fuer die ersten 25 km auch nur 1:57 gebraucht.
Jacks Trail Race bestand aus einer etwa 1.5 Meilen (2,4 km) langen Runde im Gamble Roger State Park auf der anderen Seite der Kuestenstrasse. Ich hatte also 10 Runden zu laufen und noch ein Stueck weiter bis zum Ziel. Ausgerechnet hatte ich mir, dass ich eine Runde in unter 12 Minuten schaffen sollte, aber da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Das Terrain bestand aus Sand- und Wiesenwegen, einem Stueck Asphalt und schliesslich einem schmalen, sich wild schlaengelnden, mit Wurzeln uebersaehten Weg durch den Dschungel. Der Lauf fing erst um acht Uhr an. Viel zu spaet um der Hitze zu entgehen, wie man auf der Tabelle unten erkennen kann. Eine einzige Runde schaffte ich unter 12 Minuten, danach ging es immer weiter abwaerts.
Schon bald behandelte ich den Lauf absolut nicht mehr als Rennen, sondern war einfach nur froh es irgendwie hinter mich zu bringen. Mehrfach hielt ich an um zu trinken - sonst mache ich das waehrend des Laufens - und mir Wasser ueber den Kopf zu schuetten. Das einzig Gute war der Wind, doch leider war es im Dschungel windstill. Dafuer gab es dort Schatten, waehrend ein Grossteil der Strecke in der prallen Sonne lag.
Immerhin, nach zwei Stunden, 13 Minuten und 57 Sekunden kam ich dann doch endlich ins Ziel. Wie langsam das Rennen war sieht man daran, dass nur ein Mann und ein Maedchen vor mir waren. Niemand hatte die zwei Stunden geknackt und der naechste Mann war auch noch mal wieder 5 Minuten langsamer als ich.
08:02 27.6°C SE 3.2km/h 17.7km/h 80% 8:04 Runde 1 11:55 min
08:07 27.7°C SE 1.6km/h 9.7km/h 80%
08:12 27.8°C SE 3.2km/h 9.7km/h 80%
08:17 27.9°C ESE 8.0km/h 9.7km/h 80% 8:17 Runde 3 12:29 min (2 war 1 min verlaufen)
08:22 27.9°C ESE 3.2km/h 9.7km/h 80%
08:27 27.8°C SE 1.6km/h 14.5km/h 80%
08:32 27.8°C SE 6.4km/h 16.1km/h 80% 8:30 Runde 4 12:29 min
08:37 27.8°C SSE 8.0km/h 16.1km/h 80%
08:42 27.9°C SE 1.6km/h 16.1km/h 79% 8:42 Runde 5 12:49 min
08:47 28.0°C ESE 1.6km/h 16.1km/h 79%
08:52 28.1°C Calm 16.1km/h 78%
08:57 28.2°C Calm 16.1km/h 77% 8:55 Runde 6 12:44 min
09:02 28.2°C SSE 4.8km/h 8.0km/h 77%
09:07 28.3°C SSE 1.6km/h 11.3km/h 77% 9:08 Runde 7 12:51 min
09:12 28.3°C SE 6.4km/h 14.5km/h 77%
09:17 28.3°C SE 6.4km/h 14.5km/h 77%
09:22 28.3°C SSE 11.3km/h 14.5km/h 77% 9:21 Runde 8 13:20 min
09:32 28.2°C SSE 8.0km/h 16.1km/h 76% 9:34 Runde 9 14:31 min
09:37 28.2°C SE 14.5km/h 16.1km/h 77%
09:42 28.2°C SSE 12.9km/h 16.1km/h 77%
09:47 28.2°C SSE 6.4km/h 16.1km/h 76% 9:48 Runde 10 14:32
09:52 28.2°C SSE 16.1km/h 17.7km/h 76%
09:57 28.2°C SSE 16.1km/h 17.7km/h 76%
10:02 28.2°C SSE 16.1km/h 16.1km/h 76% 10:03 Runde 11 13:34 (Letzte Runde!)
10:07 28.2°C SSE 9.7km/h 17.7km/h 76%
10:12 28.2°C SSE 11.3km/h 17.7km/h 76%
10:17 28.3°C SSE 11.3km/h 17.7km/h 77% 10:17 Runde 12 1:35 (letztes Stueck ins Ziel!)
Jon hatte die ganze Zeit ueber Fotos gemacht, mir Wasser gereicht und mich unterstuetzt und nun wartete er im Ziel auf mich.
War ich froh, dass er da war! Und froh war ich auch, dass ich mich nicht fuer die 50-km-Variante angemeldet hatte, die gleichzeitig statt fand.
Wir verbrachten einen sehr schoenen erholsamen Ferientag am Strand, sprangen nur kurz in den Atlantik wenn es uns zu warm wurde und grillten am Abend unsere Truthahn Burger.
Sonntag Morgen gingen wir noch mal in den Park zum Laufen und machten noch eine schoene 37 km lange Radtour in Ormond Beach, bevor wir wieder nach Hause fuhren.
Ich glaube, ich muss meine Meinung uebers Zelten doch noch mal wieder aendern. Solange ich nicht auf einer Luftmatratze schlafen soll kann es doch sehr gut sein, allemal besser als die Nacht in einem schaebigen Motel an der Autobahnauffahrt oder in einem Gewerbegebiet zu verbringen, kilometerweit vom Strand entfernt.
Ich sag nur: Location, location, location! Und die ist meist am besten, wenn man campt oder in einem Hostel uebernachtet. Gut, dass ich daran mal wieder erinnert worden bin!
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Kerstin
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03 September 2008
Kerstin allein zu Haus
Das Militär ist im Prinzip ein guter und sicherer Arbeitgeber mit Krankenversicherung, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, genug Urlaubstagen im Jahr, die angesammelt werden können. Alle jobbedingten Umzüge werden komplett bezahlt, es gibt eine gute Rente und man kann steuerfrei einkaufen und Einrichtungen wie Bibliothek und Fitness Center kostenlos nutzen.
Doch alle diese Annehmlichkeiten, die gerade in Amerika alles andere als selbstverständlich sind, müssen bezahlt werden. Mit Zeit von der Familie entfernt, gerade wenn es eigentlich am nötigsten wäre zu Hause zu sein.
Um seine Arbeit auch im Falle einer Evakuierung der Base während eines Hurricanes durchführen zu können ist Jon heute Morgen ins Inland abgereist und nun sitze ich hier und warte auf Hanna.
Da ich aber um halb sechs, als er von einem Kollegen abgeholt wurde, sowieso schon mal wach war, konnte ich auch gleich aufstehen, frühstücken - Margitta hatte ganz recht, es läuft einfach besser "mit" - und den mittellangen Lauf in Angriff nehmen.
Mit dynamischen Dehnübungen und fünf Minuten Gehen wärme ich mich auf und laufe um halb sieben los. Was heute mein mittellanger Lauf ist war noch vor ein paar Wochen mein Langer: 12 Meilen oder 19 km stehen auf dem Programm. Heute Abend muss ich Hurricane-Vorbereitungen im Stall treffen, also doch am besten früh morgens laufen.
Ich habe die Strecke so gewählt, dass ich eine große Runde laufe mit vielen Trinkmöglichkeiten und öffentlichen Toiletten unterwegs. Dann brauche ich wenigstens keine Wasserflasche mitzuschleppen.
Mein IPod hat ja schon vor einiger Zeit den Geist aufgegeben, deswegen habe ich meinen alten MP3-Player ausgegraben. Ich dachte schon, der funktioniert auch nicht mehr, aber es fehlt nur das Kabel um ihn mit dem Computer zu verbinden. Muss ich eben die alten Lieder wieder hören. Die erinnern mich an Kalifornien und ich werde immer ganz sehnsüchtig, aber mit Musik läuft es sich doch besser. Jedenfalls habe ich eine wasserdichte Hülle, sogar das Kabel für den Kopfhörer muss man außen einstecken. Da hoffe ich einfach mal, dass das Ding jetzt doch länger hält.
Damit ich es nicht die ganze Zeit in der Hand halten muss trage ich heute mein superluftiges ärmelloses Radlershirt mit Taschen auf dem Rücken. Passt perfekt und ein Gel und Schlüssel kann ich auch noch mitnehmen.
Ich laufe in den Sonnenaufgang, halte oft zum Trinken an, denn es ist warm und schwül aber zum Glück auch windig. Der Wind kühlt mich ein bisschen, aber trotzdem bin ich schon nach wenigen Minuten tropfnass. Nach ein paar Meilen steht mir das Wasser in den Schuhen, aber die Strecke ist schön, teilweise am Indian River entlang und dort sehe ich noch eine andere Läuferin. Es dauert recht lange bis ich sie überholt habe und ich wundere mich, wie flott sie unterwegs ist.
Der Rückweg nach Hause wird mühsam. Ich habe den Forerunner so eingestellt, dass ich nur meinen Puls sehen kann und wie weit ich es noch habe. Mit Zeiten will ich mich mal gar nicht verrückt machen.
Noch zweimal halte ich an Tankstellen an zum Trinken und bin froh, als ich endlich wieder zu Hause bin. Meine Güte, das war ganz schön anstrengend, obwohl ich ziemlich langsam unterwegs war. Das schwüle Wetter macht es eben nicht einfacher.
Dann mein Regenerationsprogramm: Trinken, 15 Minuten Gehen, Gartendusche, statische Dehnübungen.
Die Waage zeigt trotz des vielen Trinkens zwei Kilo weniger an als direkt nach dem Aufstehen. Da sieht man mal, wieviel ich geschwitzt habe!
Mit dem Auto hole ich aus dem nächsten Laden zwei große Säcke Eis, lasse kaltes Wasser in die Badewanne, koche mir einen heißen Kaffee und "genieße" - obenrum warm angezogen und mit einem Apfel, Jogurt und Vollkornkeksen bewaffnet - ein zehnminütiges Eisbad. Ich kann nicht sagen, dass das Spaß macht, aber es hilft unheimlich, die müden Beine zu erfrischen.
Den Rest des Tages verbringe ich bis auf eine kleine Radtour zu Starbucks ganz faul zu Hause. Den Yogakurs schenke ich mir heute mal, denn gleich muss ich noch Sand schüppen, damit mein Brownie es auch bei intensiven Regenfällen einigermaßen trocken hat. Die Hurricane Nacht morgen werde ich auch nicht alleine verbringen, sondern bei meiner Freundin wo auch mein Pferd untergebracht ist, schlafen. Das wäre mir sonst doch ein bisschen zu unheimlich.
Jetzt hoffe ich nur, dass Hanna sich wie vorhergesagt von der "Space Coast" fernhält und keinen Baum auf unser Dach schmeißt. Ich bin ja mal gespannt und freue mich jetzt schon wenn Jon endlich wieder kommt!
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Kerstin
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29 Juli 2008
Tosohatchee Mountain Bike
Ich brauchte mal eine Abwechslung von den ewig gleichen Radtouren auf der Strasse, bei denen man jedes Mal Angst haben muss, von einem wildgewordenen Touristen ueberfahren zu werden.
Also hab ich mir Jons Mountain Bike ausgeliehen, auf den Truck geladen und bin gleich morgens nach dem Reiten zur Tosohatchee Wildlife Management Area gefahren.
Ich habe den Naturpark ja schon des Oefteren fuer lange Laeufe genutzt, aber ohne GPS wollte ich heute auch nicht und ausserdem war es schon zu heiss zum Laufen.
Ganz neugierig war ich eigentlich auch auf den Verlauf des Florida Trails, eines Wanderwegs von den Everglades nach Georgia, der hier entlang fuehrt und dessen Wanderzeichen ich schon mal bei einem Ausritt gesehen hatte.
Leider war der Weg, den ich auch ohne Schwierigkeiten gefunden habe, nicht fuer einen Mountain Bike Anfaenger geeignet: Zu schmal, zu viele Wurzeln, zu feucht und ueberhaupt kam ich nur im Schneckentempo voran, weil ich alle zwei Minuten absteigen und das Rad ueber ein Hindernis manoevrieren musste. Kombiniert mit sehr gemeinen Moskitoscharen, die sofort auf mich einstuerzten sobald ich anhielt war dieser Weg einfach nicht das Richtige. Ich muss wohl doch noch mal im Winter wiederkommen und hier wandern.
Ich hatte zwar wohlweislich eine lange Strumpfhose ueber die Radlerhose gezogen, aber diese war leider nur blick- und nicht moskitodicht. So geht das natuerlich nicht!
Zum Glueck gibt es aber auch noch andere, zum etwas flotteren Fahren besser geeignete Sand- und Graswege, auf die ich bald ausweichen konnte.
Auch wenn die Powerline Road - wie der Name schon sagt - unter einer Hochspannungsleitung verlaeuft und die Stromdraehte doch ein wenig den ungestoerten Landschaftsgenuss beeintraechtigen kam die Naturbetrachtung trotzdem nicht zu kurz.
Ein Reh stand rechts am Wegrand. Noch bevor ich die Kamera gezueckt hatte war es zwar wieder etwas weiter ins Dickicht gesprungen, verharrte aber in sicherer Entfernung und blickte mich minutenlang neugierig an.
So ein Augenblick macht die ganze Fahrerei doch gleich wieder lohnenswert!
Als wir beide endlich genug hatten vom gegenseitigen Starren konnte ich noch einen netten Film von davonspringenden Reh drehen.
Auf einer Holzbruecke machte ich nach 7,5 Meilen Fahrt Pause. In der prallen Sonne waren keine Moskitos in Sicht, die mich haetten quaelen koennen, aber dafuer eine wunderschoene Wildblumenwiese, die ich wiederum im Bild festhalten musste.
Nur ein Mountain Bike Anfaenger wie ich bringt es fertig, eine Birne unverpackt in der Vordertasche zu transportieren. Das Ergebnis war zwar noch essbar - ALLES ist auf so einer Tour noch essbar - aber leider waren saemtliche andere Sachen in der Tasche in Mitleidenschaft gezogen: Autoschluessel, Handy und Portemonnaie waren mit einem suesslichen klebrigen Saft ueberzogen. Widerlich!
Auch die Wahl der Trinkflasche war nicht besonders geschickt. Ich musste zum Trinken die Kappe abschrauben, weil der Sportverschluss natuerlich total vermatscht war. Sehr intelligent!
Ich folgte der Strasse bis Meile 10 zum St. Johns River. Hier endet sie in einer Kanueinstiegstelle, die mich ploetzlich zu sehr an fruehere Touren auf der Lippe erinnerte.
Ich machte mich auf den Rueckweg und hatte bald wirklich die Nase voll vom Radfahren auf der Sandstrasse. Irgendwie schien mir der Sand auf einmal tiefer und ausserdem hatte ich Gegenwind. Ich wollte nur noch zum Auto zurueck. Meine rechte Hand war trotz Fahrradhandschuhen eingeschlafen und taub.
Dort angekommen konnte ich mich leider nicht mehr wie eigentlich geplant zum Mittagessen an einen der im Schatten liegenden Picknicktische setzen, denn sonst haette ich den Moskitos ein zu leckeres Mahl geboten.
So schnell wir moeglich lud ich das Rad auf die Ladeflaeche des Pickups und machte mich auf den Heimweg. War ich froh ueber die Klimaanlage im Auto!
Insgesamt bin ich 26.3 km gefahren in einer Rekordzeit von 1:48:14. Das lag aber vor allem auch am ersten Teil auf dem Florida Trail, bei dem ich teilweise nur im Schritttempo vorangekommen bin.
Gelaufen bin ich dann natuerlich auch noch am Nachmittag und zwar - als Gegensatz zu so viel Natur am Morgen - auf dem Laufband im Fitness Center. 9,8 km in 50:26 sind es geworden, ein alltaeglicher Lauf, langsamer als gestern aber schneller als noch letzte Woche. Ich kann also zufrieden sein. Leider habe ich durch meine Aufwaerm- und Abkuehlroutine doch glatt das Bauchmuskeltraining verpasst, an dem ich eigentlich noch teilnehmen wollte. Naja, wirklich schlimm finde ich das jetzt auch nicht, muss ich ja ehrlich zugeben...
28 Juli 2008
Nach dem Gewitter
Diese Woche wollte ich mal wieder was anderes ausprobieren und meinen "Stundenplan" ein bisschen umstellen.
Der Mitternachtslauf am Samstag hat ja doch relativ gut geklappt und es auch sehr nett, endlich mal wieder mit Jon zu laufen.
Also bin ich statt morgens frueh zu laufen als allererstes zum Stall gefahren und geritten. Es wurde zwar auch schon heiss, als ich gegen acht aufs Pferd gestiegen bin, aber wenigstens brauchte ich da nicht selber zu laufen, sondern konnte mich tragen lassen und hatte sogar einen Teil der Strecke im schattigen Urwald. Die Sandwege dort sind leider zum Laufen total ungeeignet und scheiden als zu tief aus.
Um halb zehn war Yoga und ich habe es tatsaechlich geschafft, noch rechtzeitig zum Fitness Center zu kommen. Das liegt auf halbem Weg zwischen Reitanlage und zu Hause, also ist es immer sehr praktisch, wenn man beides auf einem Weg erledigen kann.
Nach einer Stunde Dehnen und Kraeftigen konnte ich mich eine Etage tiefer direkt in meinen Bikini schmeissen und ins Freibad springen. Auch wenn die Triathlonsaison fuer mich vorbei ist moechte ich doch auf jeden Fall weiterhin mindestens einmal in der Woche schwimmen gehen. Am liebsten wie auch schon waehrend des Marathontrainings am Montag nach dem langen Lauf am Wochenende. Die 1300m, aufgeteilt in 200m Einschwimmen, 3x300m schnell und 200m Entspannen waren heute genau richtig, nicht zu anstrengend und natuerlich bin ich alles im Bruststil geschwommen. Lustig fand ich es, wie der Pool gesprinkelt wird, um die Wassertemperatur bei 27 Grad einigermassen kuehl zu halten. Bei strahlendem Sonnenschein im "Regen" zu schwimmen hat schon was.
Puenktlich zum Mittagessen war ich wieder zu Hause und konnte mich auch fast direkt schon wieder auf den Weg machen. Ich hatte einen Arzttermin mit Blutabnehmen auf der Base und musste Jons Rennrad zum kostenlosen Check-Up einen Monat nach dem Kauf - eigentlich sind es schon zwei, aber wer will da kleinlich sein? - bringen.
Noch ein bisschen einkaufen fuers Abendessen und ab nach Hause. Der Himmel hatte sich auch schon die ganze Zeit verdunkelt und auf dem Heimweg musste ich dann doch Licht und Scheibenwischer einschalten, denn nun ging der allnachmittaegliche Regen mit Blitz und Donner aufs Land nieder.
Das Gute am Gewitter jeden Tag ist natuerlich, dass sich die Luft abkuehlt und relativ frisch ist. Jedenfalls frischer als den ganzen Tag ueber. Hatte das Thermometer um 14:30 noch 35.1°C angezeigt waren es um 17:40 nur noch 25.7°C.
Die besten Voraussetzungen also zum Laufen.
Ausserdem kam, gerade als ich meine Schuhe aus der Garage holte, Jon nach Hause. Er wollte nur zwei Meilen laufen, also machte ich mich erstmal alleine auf den Weg, denn ich hatte 7 auf dem Plan.
Da ich nicht wusste ob es nochmal gewittern wuerde - jedes Jahr hat Florida Blitztote zu beklagen, mit Gewittern ist hier nicht zu spassen - hatte ich eine 3.2 km lange Route in der Nachbarschaft ausgemessen, die ich dreimal laufen wollte.
Dazu noch eine kuerzere Runde von 2 km und meine Strecke war komplett.
Meine Beine fuehlten sich gut an, das merkte ich gleich. Die 45-Meilen-Radtour von gestern hatte keine Folgen hinterlassen bzw. alle moeglichen Folgen waren durch Yoga und Schwimmen getilgt. Wunderbar!
Und das Beste: Ich wurde immer schneller je laenger ich unterwegs war.
Die erste Runde lief ich in 16:17, die zweite in 16:04 und die dritte Kurzrunde in 9:59.
Inzwischen hatte sich Jon umgezogen und warmgelaufen, ich traf ihn vor unserem Haus und zusammen liefen wir die letzten 2 Meilen. Eigentlich war ich nun schon ein bisschen muede, aber nicht so dass ich es mir zu sehr haette anmerken lassen wollen. Ich konnte tatsaechlichen sein Tempo einigermassen mithalten und so kamen wir nach flotten 15:34 wieder an unserem Briefkasten an.
Wenn man nun bedenkt, dass ich noch vor ein paar Wochen Schwierigkeiten hatte, ueberhaupt sieben Meilen zu laufen, kann man diesen Lauf als vollen Erfolg werten. Ich bin einen 5:01er Schnitt gelaufen und war noch nicht mal voellig kaputt am Ende. Dabei habe ich nur ein einziges Mal zum Trinken angehalten und bin sonst komplett durchgelaufen.
Ausserdem habe ich mein Ziel, sieben Meilen in unter einer Stunde zu schaffen, erreicht und mich die ganze Zeit gut dabei gefuehlt.
Ich glaube, ich bin doch ein "High Mileage Runner". Je mehr Strecke ich in der Woche mache desto leichter faellt mir das Laufen und desto schneller werde ich, auch wenn das erstmal unlogisch klingt. Aber eins freut mich besonders: Ich habe wieder Spass am Laufen! Es werden ganz sicher wieder Laeufe kommen, bei denen ich mich abquaelen muss, aber das heutige Training hat mir wieder neuen Auftrieb gegeben und mir gezeigt, dass ich es doch noch kann. Ich war zwar natuerlich schon mal schneller und konnte mich dabei sogar noch unterhalten, aber ich bin ganz zuversichtlich, dass das auch in Kuerze wiederkommt.
Die Tageszeit, also am spaeten Nachmittag bzw. fruehen Abend ist auch sehr angenehm und ich will versuchen, nun oefter um diese Zeit zu laufen. Dann kann ich naemlich auch wieder oefter mit Jon zusammen!
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Kerstin
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17:29
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19 Juli 2008
Nova Road Marathon
Schon wieder so ein irrefuehrender Titel!
Nein, ich bin keinen Marathon gelaufen. Dazu waere ich im Moment ja gar nicht in der Lage.
Ich rede von der 42 km langen Strasse durch Wildnis und Kuhweiden, jede der 26 unsagbar langen Meilen gross und gelb auf den Asphalt gepinselt, die man mit dem Fahrrad nehmen muss um nach St. Cloud zu kommen.
Sie ist so lang, dass man einen Marathon auf ihr veranstalten koennte und so einsam, dass ausser ein paar Kuehen und Rancharbeitern keiner zum Zuschauen und Anfeuern anwesend waere.
Leider muessten die Laeufer ausserdem unterwegs verdursten - was mir gestern fast passiert waere - denn auf den kompletten 42 km gibt es keinerlei Moeglichkeit, seine Wasserflasche aufzufuellen. Wenn man nicht gerade an wildfremde Wohnwagentueren oder einsamen Farmhaeusern mit grimmigen Bewohnern anklopfen moechte. Aber sooo schlimm war mein Durst dann auch wieder nicht als dass ich es mit Rottweilern, Pitbulls und Schrotflinten haette aufnehmen wollen. Ich sollte nur naechstes Mal dran denken, 2 oder mehr volle Wasserflaschen mit auf die Reise zu nehmen.
Was hatte ich nun auf dieser Strasse zu suchen?
Zuerst mal: Ich war auf dem Rad und nicht laufend unterwegs. Da bin ich zum Glueck auf der Marathondistanz doch ein wenig schneller als der gelaufene Weltrekord. Und ich bin natuerlich auch noch weiter gefahren als nur auf der unsaeglichen Nova Road, vor der ich mich durch frueher Erfahrung gepraegt schon vor Antritt der Fahrt gegruselt habe. Sie ist einfach zu lang, zu geradeaus, zu einsam und zu eintoenig. Bei Gegenwind kommt sie einem noch mal doppelt so lang vor.
Also, am Sonntag ist Triathlon und damit fuer mich so ziemlich das Ende meiner Rennradsaison. Ab Montag muss ich mich endlich wieder mehr aufs Laufen konzentrieren, um mich fuer den Halbmarathon in Ohio im September fit zu machen und dann endlich ins Marathontraining einzusteigen. Eine gute Gelegenheit gestern also fuer eine letzte Ueberlandfahrt, denn die Strecke ist einfach zu finden und mit 69 Meilen (111 km) gerade richtig fuer eine Tagestour. Ich bin auch extra Freitag schon gefahren, um mich Samstag fuer den Triathlon noch ein bisschen ausruhen zu koennen.
Um 12 Uhr mittags bin ich also losgefahren, nach 800m hat mein Tacho den Geist aufgegeben, aber davon habe ich mich dann auch nicht weiter beeindrucken lassen. Der erste Stop nach einer halben Stunde wie immer an der County (= Kreis) Grenze am St. Johns River. Als Weggefaehrten hatte ich wie immer meinen kleinen Waschbaeren aus Provincetown (Cape Cod) dabei, den ich von Jon zum Geburtstag bekommen hatte.
Vor der Nova Road haette ich noch mal meine Trinkflasche auffuellen und mir eine zweite Flasche Wasser besorgen sollen, denn es war auch ganz schoen warm (wenn auch bewoelkt), aber ich dachte ich komme schon hin.
Das war ein Fehler!
Die Strasse zog sich in die Laenge wie immer und ich brauchte alle meine Ablenkungsspielchen um durchzuhalten. Zum Glueck hatte ich mein iPod mit Laufpodcasts mit, die ich anhoeren konnte. Nach jeder Meile rechnete ich mir aus, wie lange ich bei einem bestimmten Schnitt a) bis zur naechsten Meile und b) bis zum Ende der Strasse brauchen wuerde.
Ab und zu verzweifelte ich, denn natuerlich hatte der Wind, der die ganze Woche lang fleissig aus Osten geweht hatte gedreht und kam nun aus Suedwesten, also genau daher wo ich hinwollte.
Aber immerhin: Wenn man diesen Marathon dann endlich geschafft hat kommt einem eine einfache Shell-Tankstelle am Ende der Strasse vor wie eine Oase in der Wueste.
Eine Flasche Wasser und eine Flasche Coke Zero waren schnell geleert und schon ging es mir wieder viel besser. Nach einer Kaffeepause mit zwei Donuts etwas spaeter fuehlte ich mich schon wieder ganz frisch und wohl und als ich wieder eine Stunde spaeter endlich ein Starbucks fand war die Welt wieder komplett in Ordnung und nicht mal der Platten, den ich mir 10 km vor Ende der Tour noch einhandelte konnte mich noch sonderlich aufregen.
Im Hotel angekommen sprang ich als erstes in den Pool, auch wenn es mittlerweile regnerisch und frisch war, und legte mich dann fernsehend ins Bett um auf Jon zu warten, der mit dem Truck, zwei weiteren Fahrraedern und unserer kompletten Triathlon-Wochenendausruestung gegen acht Uhr abends endlich auch angereist kam.
Eingestellt von
Kerstin
um
05:56
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