23 Januar 2008

Auf Reisen

Mitten im Marathontraining eine Woche im Hotel mitten in einer Großstadt untergebracht zu sein stellt schon seine ganz eigenen Herausforderungen an mein organisatorisches und logistisches Talent, zumal wir den Mietwagen ja Sonntag Mittag wieder abgegeben haben um Park- und Mietgebühren zu sparen. Umsonst parken am Hotel wie so ziemlich überall sonst wo wir bisher waren gibt es hier in New Orleans nicht.
Ebensowenig kann ich einfach umsonst das hoteleigene Fitnesscenter nutzen, sondern müsste da noch ordentlich draufzahlen.
Und mitten in der Stadt zwischen Touristen, Geschäftsleuten und sonstigen hin- und herhetzenden Menschenmassen ein vernünftiges Intervalltraining auf die Reihe zu kriegen ist ja auch nahezu unmöglich.
Was macht man da?
Einen Sportplatz in der Nähe finden natürlich.
Dank Google Maps und eines hilfreichen Concierges, der mir auch gleich noch die richtige Bus- und Straßenbahnverbindung bestätigt hat, war meine Suche auch schnell mit Erfolg gekrönt. Im City Park gibt es nicht nur wunderbare kultivierte Natur sondern auch ein Stadium und, was für meine Zwecke gestern noch wichtiger war, eine Übungslaufbahn, frei zugänglich für jedermann und mit wunderbarem roten Tartanbelag. Viel schöner als die Asphaltbahnen zu Hause in Florida.
Zum Glück hat sich das Wetter sehr schön aufgewärmt, sodass ich endlich wieder in kurzen Sachen laufen konnte.

Es hat schon eine ganze Zeit gedauert bis ich mit der rappligen uralten Straßenbahn mit Holzsitzen im City Park ankam und dann noch mal eine Weile, bis ich zu Fuß die Laufbahn erreichte, aber die Reise hat sich definitiv gelohnt und die Fahrkarte war mit $1,25 (und noch mal das Gleiche für die Rückfahrt) ungleich billiger als ein Tag im Fitnesscenter für $12. Außerdem bin ich nicht wirklich ein Fan von Intervalltraining auf dem Laufband.

Scheinbar wurde gestern in dem Stadium ein High School Track Meet ausgetragen und auf der Übungsbahn machten sich die Schüler warm. Das war für mich ein Glücksfall, denn da musste ich nicht einsam meine Runden drehen sondern hatte immer was zu gucken. Ich hab mich nur ein bisschen geärgert, dass für mich 7x1000m auf dem Plan standen und zwar im 10km-Tempo. Damit kann man High School Kids nicht wirklich beeindrucken. Das ist ja viel zu langsam. Ich wäre ja gerne furchtbar schnell an ihnen vorbei gerannt, aber 1000m haben es schon in sich.
Immerhin, ich habe alle Intervalle in respektablen Zeiten geschafft, auch wenn das erste mit 3:59 doch ein bisschen zu schnell ausgefallen ist. Aber ich bin auch noch nie vorher 1000m Intervalle gelaufen. Die nächsten 1000er lagen mit 4:14, 4:14, 4:10, 4:19, 4:12 und einer flotten 4:05 als letzter Runde - die laufe ich immer so schnell wie ich kann - gut im Rahmen. Beim nächsten Mal muss ich nur darauf achten, die Pausenzeiten besser einzuhalten und wirklich bei 2 Minuten zu bleiben. Da war ich diesmal immer ein bisschen drüber.
Leider konnte ich nach meinem eigenen Training nicht mehr lange bleiben und den Schülern zuschauen, denn ich musste ja meinen Bus zurück in die Stadt noch erreichen.

So hab ich diese Herausforderung doch ganz hervorragend gemeistert.
Eine andere Gefahr hier in New Orleans ist das besonders gute und nahrhafte Essen und Trinken, das an jeder Ecke lockt. Gestern Abend konnte ich den Hurricanes und Pina Coladas leider nicht widerstehen und auch nicht den Hot Dogs, die an jeder Straßenecke verkauft werden und sooo gut riechen. Zum Mittagessen gab es wunderbare kreolische Küche - bei einem Kochkurs wurde uns noch vorgeführt wie es gemacht wird - extrem fetthaltig und lecker und überhaupt haben wir am Essen hier noch nicht gespart.

Und dann ist da natürlich noch die Sache mit den immer höher wachsenden Bergen an vollgeschwitzten Laufsachen und -schuhen mit denen wir das Hotelzimmer teilen müssen.
Ja, man hat es nicht leicht als reisender Marathonläufer.
Aber Spaß macht es schon und ich habe gestern auf der anderen Seite des Mississippi einen schönen Weg direkt am Fluss entlang gefunden, den ich jetzt gleich mal laufend näher erkunden möchte. Man muss eben nur erfinderisch sein!

1 Kommentar:

Martin hat gesagt…

Oh Mann, New Orleans sowie so ziemlich die ganze Gegend "da unten" ,das wäre ein Traumziel von meiner besseren Hälfte. Du weißt schon Scarlett und Red - mäßig ! :-)
Vor allem diese Plantagenhäuser haben es ihr angetan.