06 August 2009

Strandlauf

Dann gibt es ja auch immer wieder Tage, in denen es selbst im Sommer schön ist, in Florida zu wohnen.
Morgens war es noch furchtbar heiß, aber als ich um eins aus dem Souvenirladen des Zoos trat, war ich ganz erstaunt, wie angenehm das Wetter auf einmal war. Schon lange konnte ich nicht mehr nach meiner Schicht als ehrenamtlicher Helfer einfach so gemütlich ohne Schwitzen durch den Zoo bummeln. Ein paar Regentropfen waren da gar nicht schlimm und den bewölkten Himmel nahm ich natürlich gern in Kauf.

Ich erinnerte mich an die Email über einen Gruppenlauf im Strand, die ich am Vortag erhalten hatte. Da es schon um sechs Uhr abends losgehen sollte, wenn es für mich normalerweise noch zu heiß zum Laufen ist, hatte ich erstmal gar nichts gesagt, aber nun kam diese Einladung gerade recht. Ich rief schnell Jon an und er versprach, entweder früh zu Hause zu sein oder mich am Strand zu treffen.

Er schaffte es nach Hause, wir konnten zusammen fahren und kamen gerade noch rechtzeitig zum Treffpunkt in Downtown Cocoa Beach. Wieder nahmen wir Gratulationen entgegen, da einige noch gar nichts von unserem Glück gewusst hatten. Mittlerweile werden meine Laufshirts aber doch recht eng und verstecken geht nicht mehr. Immerhin kann man mit guten Willen schon erkennen, dass ich nicht einfach nur besonders viel neues Fett mit mir rumschleppe. Das ist ja auch schon mal was.

Wir gingen alle zusammen den kurzen Weg zum Strand und deponierten unsere Sachen an einem nicht mehr benutzten umgefallenen Lebensrettertürmchen. Es wurde ausgemacht, dass alle einfach eine halbe Stunde laufen und dann wieder umkehren. So sollten dann ja eigentlich alle auch wieder zur selben Zeit zurück zum Start kommen.

Es war immer noch bewölkt, sehr schwül, aber dafür kühl genug, dass ich bedenkenlos eine Stunde laufen konnte. Leider funktioniert mein blöder Pulsmesser mit Vaseline erst richtig wenn ich anfange zu schwitzen. Ohne Vaseline scheuert er aber mittlerweile bei meiner neuen Oberweite doch sehr unangenehm, aber sooo schnell dürfte mein Puls ja auch nicht hochgehen.
Auf dem Hinweg lief ich mit Jon zusammen, immer nach Süden am Atlantik entlang und wir erzählten uns was. Dass ich die zweitlangsamste der ganzen Gruppe war störte mich nicht. Schließlich habe ich den besten Grund langsam zu laufen. Es war so herrlich, am Strand zu laufen. Ich genoss jeden Schritt, den Blick aufs Meer, die kreischenden Möwen, den Sand unter meinen Schuhen, die salzige Seeluft. Nach so viel Laufband war das einfach mal nötig und doppelt so schön. Ein richtiger Genusslauf. Mittlerweile bin ich wohl auch wieder besser in Form und es macht mir nichts aus eine Stunde durchzulaufen.

Das einzige Problem war, dass fast alle anderen schon viel früher umdrehten und ich im Nachhinein die Einzige war, die eine ganze Stunde gelaufen ist. Kein wirkliches Problem für mich, denn mir ging es ja gut, aber auf einmal machten sich diverse Herren doch Sorgen um mich. Jon schickte ich nämlich am Wendepunkt nach einer halben Stunde alleine wieder zurück. Er will im November den Space Coast Halbmarathon unter 1:30 laufen. Da kann er nicht immer nur gemütlich mit mir dahertrotten, sondern muss was dafür tun. Einer von uns soll schließlich die Familienehre hochhalten!

Jedenfalls lief ich auf dem Rückweg, für den Jon nur 21 Minuten benötigte, ganz alleine und brauchte natürlich auch wieder eine halbe Stunde. Alle andere waren schon lange am Ziel und so kam mir irgendwann auf einmal wieder ein anderer Läufer entgegen der sich wunderte wo ich blieb. Das fand ich sehr nett, aber mithalten konnte ich, nachdem er umgedreht hatte, nicht mit ihm. Dabei habe ich ihn früher schon des Öfteren in 5-km-Läufen geschlagen. Nichts ist mehr wie es war, seit ich für zwei laufe... Ganz kurz erlaubte ich mir, ein bisschen schneller zu laufen, hörte dann aber auf Minizwergs Protest (bzw. auf meine eigene Lunge und Herz, die ihn ja mitversorgen) und fiel wieder in meinen üblichen Trott. Auch Jon wollte nun nachschauen und sich um mich kümmern und kam mir entgegen. Da konnten wir das allerletzte Stück doch noch zusammen laufen und ich schaffte es noch, die sechs Meilen vollzumachen, die ich mir vorgenommen hatte.

Einige der anderen Läufer, die auch für Triathlon trainieren, waren inzwischen "abgetaucht" um noch eine Runde im Meer zu schwimmen und da ich natürlich nach der Stunde doch ordentlich schwitzte, zog ich mir nur schnell Schuhe und Strümpfe, Shirt und Laufhose aus und sprang ebenfalls in den Ozean. Schlauerweise hatte ich die Bikinihose nämlich schon drunter und der Sport-BH dient ebensogut als Bikinioberteil. Das tat gut!

Direkt am Strandaufgang neben der "Coconuts on the Beach Bar", in der Jon und ich am Vortag Mittagessen waren gibt es eine Dusche, unter der sich alle das Salzwasser und den Schweiß abspülen konnten. Wir verabschiedeten und von den anderen und fuhren nach Merritt Island, um bei Hooters unsere Speicher wieder aufzufüllen. So ein Strandlauf macht doch ganz schön hungrig. Es war immer noch so angenehm, dass wir draußen sitzen konnten (drinnen war es viel zu kalt in kurzen Sachen!). Was für ein schöner Abend! So stelle ich mir ein gelungenes Rendevouz mit meinem Gemahl vor.
Am Ende waren wir uns einig, dass Florida doch auch seine guten Seiten haben kann. Sogar immer Sommer.

3 Kommentare:

Pienznaeschen hat gesagt…

Ich lese sowas einfach nur gerne, schön :)

Ihr wohnt in einem Urlaubstraum und viele träumen vielleicht dort leben zu können (aber sie vergessen dann die Hitze) trotzdem ist es einfach nur schön, gell? Ich finde Ihr macht das genau richtig mit dem Genießen und so ;)

Die Erleberin hat gesagt…

Da geht man mal ein paar Wochen auf Tauchstation, und schon verpasst man das halbe Leben! Herzlichen Glückwunsch zum freudigen Ereignis.
Dass es da mit dem Laufen nicht mehr ist wie vorher, kann ich mir auch vorstellen. Aber viele Frauen sollen ja nach der Schwangerschaft läuferisch erst richtig aufdrehen (bzw. im Endeffekt nichts von ihrem Niveau verloren haben). Wahrscheinlich ist dir das aber im Moment auch weniger wichtig. Wesentlich ist, dass du und das Kind gesund sind und bleiben. Alles Gute nochmal!

Jasmin... hat gesagt…

Ach schon - ich kann Julia da nur voll zustimmen! Ihr macht das richtig mit Genießen und doch auch zu schätzen wissen, wie schön Florida ist - auch im Sommer ;-)
Wer weiß vor allem, wie lange Ihr dort noch bleiben dürft, gell? Gibt es da eigentlich schon Neuigkeiten? Du hattest irgendwann mal geschrieben, dass sich da demnächst wieder was entscheidet hinsichtlich Wohnortwechsel?