21 Mai 2009

Atlantic Coast Bike Ride Statesboro - Point South

Der folgende Text stammt aus meinem Reise-Tagebuch vom vierten Tag meiner Radtour von Jacksonville nach Charleston

Der vierte Tag gegen den Wind, und ich bin ich South Carolina gelandet. Schon gestern Abend fühlte ich den Muskelkater in den Oberschenkel sich entwickeln, heute Morgen ist er natürlich noch stärker. Keine wirklichen Schmerzen, sondern mehr eine Schwäche. Diese Tour ist definitiv kein Picknick.

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel verpackte ich wieder alles wasserdicht. Für den Moment regnet es nicht, aber man kann ja nie wissen. Das habe ich in den letzten Tagen gelernt. Also kamen die Plastiktüten wieder zum Einsatz und schon bald rollte ich Statesboros Main Street entlang Richtung Norden. Sobald mein armer wunder Hintern mit dem Sattel in Berührung kam, setzte der Schmerz ein. Wie sollte ich das wieder den ganzen Tag aushalten? Doch die Vaseline, die ich reichlich eingesetzt hatte, tat ihre Wirkung und nach ein paar Minuten hatte ich mich wieder an den schrecklich harten Fahrradsitz gewöhnt.

Trotzdem, mit den müden Beinen, dem Gegenwind und der welligen Landschaft war es kein einfaches Fahren. Ich war auch etwas unmotiviert und hatte keine rechte Lust. Dadurch war ich langsamer als in den letzten Tagen und die Meilen zogen sich wie Kaugummi.
Ich hielt mich heute wieder an meine "Atlantic Coast Bike Route" Karte, da der Weg nach Point South über die dort angegebene Route besser und direkter war. Es ging praktisch den ganzen Tag über winzige Landstraßen, die sonst in keiner Karte eingezeichnet sind. Das war einerseits natürlich nett, weil kaum Verkehr herrschte, aber andererseits wirkte es sich auch ungünstig auf meine Versorgungssituation aus. Um nicht zu viel Ballast mitzuschleppen habe ich nämlich so gut wie nie etwas zu essen im Gepäck, sondern kaufe mir in kleinen Läden, meist mit Tankstellen, meinen Proviant und esse ihn sofort auf. Dachte ich gestern noch, mein Pork-Chops-Mittagessen wäre nicht so wirklich optimal, so kam es heute noch schlimmer. Die Läden der winzigen 200-Seelen-Gemeinden, an denen ich anhielt, waren fast leer, schmutzig, uralt und es gab kaum Auswahl. Die Einheimischen kannten sich alle untereinander, ich wurde jedoch größtenteils ignoriert. Zum Mittagessen musste ich mich mit Chips zufrieden geben. Etwas nicht Eingeschweißtes wollte ich lieber nicht kaufen und das gab es auch kaum. Bis auf sauer eingelegte gekochte Eier und Schweinefüße. Nein danke!

Die Gegend ich so abgelegen, dass durchreisende Radler auffallen. Außerdem gibt es auch nur eine begrenzte Anzahl an Verpflegungsmöglichkeiten, sodass dort wohl jeder anhält. Jedenfalls hörte ich heute zum ersten Mal von Ladenbesitzern oder Kassierern, dass dort viele Radfahrer durchkommen. Klar, ich bin ja nicht die Einzige, die diese Routenkarte gekauft hat, aber ein wenig erstaunt war ich doch. Auf dem gesamten Weg nach Key West habe ich nur einen einzigen Fernradwanderer - New York nach Key West - getroffen und nie von anderen gehört. Seltsam, dass gerade in dieser gottverlassenen Gegend so darauf geachtet wird.

Neben der Versorgungslage hatte ich noch andere Probleme. Es war einfach nicht mein Tag. Noch in Georgia hörte ich mitten im Wald auf einmal ein scharfes Zischen meines Hinterreifens. Na hervorragend, ein Platten hatte mir gerade noch gefehlt zu meinem Glück. Sobald ich den Schlauch ausgetauscht hatte, setzte ein starker Regen ein, der natürlich direkt von vorne kam. Und zu allem Überfluss führte die Route kurz vor der Grenze nach South Carolina auch noch über eine ungeteerte Straße. Bestimmt 3 km fuhr ich über festen nassen Sand, gar nicht gut fürs Getriebe! Zum Glück hatte die nächste Tankstelle einen Wasserschlauch, mit dem ich das Rad abspritzen konnte.

Ich überquerte den Savanna River im Regen und ließ Georgia hinter mir. Wieder ein neuer "State Point" für mich, denn in South Carolina war ich noch nie. Die Freude war kurz. Ich wurde langsamer und langsamer, hielt immer öfter an und hatte keine Lust mehr. Als ich soweit war, dass ich es für völlig legitim hielt, alle drei bis fünf Meilen Pause zu machen und mir auch diese lächerlich kurzen Abschnitte immer länger vorkamen, platzte mir irgendwann schließlich der Kragen.
Ich konnte weiterhin schlecht gelaunt vor mich hin trödeln und nie ankommen, oder mal ein bisschen Gas geben und sehen, welches Tempo ich noch schaffen konnte. Die Schnecken-Methode war frustrierend, also trat ich in die Pedalen und beobachtete dabei den Forerunner. Nicht, dass ich in irgendeiner Weise an mein normales Tempo von zu Hause herangekommen wäre, aber nun ging es wenigstens endlich voran. Ich hatte eine Aufgabe, die meine Konzentration erforderte, und auf einmal flogen die Meilen dahin. Geht doch!
Ich hatte sogar wieder Spaß an der Fahrt, und der Regen hatte auch nachgelassen.

Einen Platten musste ich leider auf den letzten 10 km noch reparieren, bevor ich in Point South ankam. Dort gibt es Hotels und Restaurants an der Autobahn. Nach diesem Tag ein wahrer Luxus!

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3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

WEnn einer eine Reise tut,dann.......... ja, erlebt hast du ja eine Menge, wenn auch nicht nur Erfreuliches, aber.....

Bist du ganz alleine unterwegs gewesen ?

" sauer eingelegte gekochte Eier und Schweinefüße "

also, da hätte ich wohl auch verzichten können, oweia, so etwas gibt es wohl nur in USA !

Pienznaeschen hat gesagt…

Es ist mir ein Rätsel wie Du es so lange auf dem Sattel aushalten kannst, also da könnte bei mir alle Vaseline der Welt nichts mehr retten und zum anderen ist es einfach nru genial wie Du Dich selbst am Kragen packst uns motivierst!
Trotzdem, so ganz allein ist es auch ein wenig gefährlich und unheimlich ...!

Kerstin hat gesagt…

Margitta, es geht ja nicht darum, nur erfreuliches zu erleben, sondern neue Erfahrungen zu machen und neue Wege zu gehen.
Und ob Ochsenschwanzsuppe besser ist? Ich weiss ja nicht...

Julia, es ist wie beim Laufen. Einfach immer weiter, auch wenn es mal weh tut. Und wie gesagt, zu Hause bin ich auch meist alleine unterwegs. Da kann genauso viel passieren.