18 Mai 2009

Atlantic Coast Bike Ride Jacksonville Beach - Callahan

Der folgende Text stammt aus meinem Reise-Tagebuch vom ersten Tag meiner Radtour von Jacksonville nach Charleston

Regen, Regen, Regen. So einen Regentag hatten wir auch noch nicht seit wir in Florida wohnen. Da war es ja klar, dass der Himmel gerade heute seine Schleusen öffnen musste, denn ich bin mit dem Rad unterwegs und schlechter hätte das Wetter in Florida im Mai wirklich nicht sein können. Da wollte ich ganz besonders schlau sein und bei dem Südwind der letzten Zeit Richtung Norden fahren, um mich vom Wind anschieben zu lassen, und dann dreht der Wind doch glatt gerade heute und pustet mir entgegen, sodass es mich manchmal fast vom Rad geweht hätte. Gerade die Strecke direkt am Meer entlang über die Talbot und Amelia Inseln war besonders schlimm. Ich hätte mir ja gerne die Sturmflut auf dem Meer, die hohen Wellen und die sich im Wind biegenden Palmen näher angeschaut, aber der Regen peitschte mir waagerecht ins Gesicht und in die Augen. Ich konnte gerade mal ein kleines Stück Straße vor mir sehen. Meine Augen tränten und ich musste fast blind fahren.
Sobald ich in den Wald kam war der Wind nur noch halb so schlimm, aber auf den Brücken, die die Inseln miteinander verbinden, kam ich mit dem Rennrad nur noch im Schneckentempo voran. Mein knallroter Regenponcho hielt zwar etwas Wasser von meinem Leib ab und schützte mich ein bisschen vor dem kalten Wind, aber gleichzeitig erhöhte er natürlich auch die Angriffsfläche des Sturms. Windschnittig war ich heute ganz sicher nicht. Dafür konnten mich alle Autofahrer gut erkennen, was dem trüben Wetter ja auch ein unschätzbarer Vorteil ist. Den Autoverkehr hasste ich, denn er war auf den nassen Straßen noch lauter als sonst und immer wenn ein Truck überholte oder mir entgegen kam, bekam ich eine Extradusche und der Fahrtwind brachte mich aus dem Rhytmus. Ich sagte mir immer wieder, dass es nur besser werden könnte, und tatsächlich hatte ich, als ich von Fernandina Beach nach Westen aufs Festland abbog, wenigstens keinen Gegenwind mehr. Auch der Regen ließ nach, auch wenn er nie ganz aufhörte. Ich war nun auf einer großen Straße unterwegs. Vor allem auf dem Stück bis zur Autobahn I-95 herrschte viel Verkehr.
Ich hatte mich die ganze Zeit daran festgehalten, dass es bis zur Interstate und dem Hotel dort nicht mehr weit war, aber als ich ein Schild mit der Aufschrift "Callahan 15 miles" sah, fiel mir wieder ein, dass ich ursprünglich geplant hatte dort zu übernachten, denn sonst würde es schwierig werden, es in angemessener Zeit nach Charleston zu schaffen. Mit dem Rückenwind konnte ich 15 Meilen relativ locker in einer Stunde schaffen. Ich wusste, dass es dort Hotels gibt. Also los!
Die Stunde wurde mir dann doch recht lang und ich wollte auch keine Pause mehr machen, nicht noch einmal kalt wieder aufs Rad steigen müssen, also ließ ich alle Starbucks und sonstigen Versuchungen leichten Herzens links liegen und war heilfroh, um kurz vor sieben in Callahan anzukommen.

Ich war ja erst um viertel vor zwei losgefahren, denn Jon, der mich nach Jacksonville gebracht hat, musste morgens noch arbeiten und ich brauchte noch zwei Ersatzschläuche. Dann hatten wir noch im selben Waffle House gegessen wie vor der letzten Tour und so erwischte ich einen späten Start. Auch auf die Fähre musste ich erst noch warten, bevor sie mich über den St Johns River bringen konnte.

Am Abend gab es nur noch Essen bei Burger King und ein Telefongespräch mit Jon, bevor ich ins schäbige Motelbett fiel.

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