Der folgende Text stammt aus meinem Reise-Tagebuch vom zweiten Tag meiner Radtour von Jacksonville nach Charleston
Ich bin in Georgia. Erfolgreich konnte ich heute um kurz vor zehn das Projekt Nord-Süd-Durchquerung Florida abschließen. Nach einem Frühstück bei McDonalds habe ich mir mit dem Packen am Morgen viel Zeit gelassen. Es hat zwar nicht mehr geregnet, aber es war immer noch kalt und ungemütlich. So gar nicht das Wetter, das ich von Florida gewohnt bin und auch für diese Tour erwartet hatte. Wozu schleppe ich denn ein Zelt durch die Gegend, wenn es zum Zelten zu nass und kalt ist? Vor zwei Wochen in Clermont war es noch zu heiß. Ich hätte wirklich gedacht, dass Hitze mein Problem sein würde an Stelle von Kälte, Regen und Gegenwind. Als ich endlich alles wasserdicht verstaut hatte, machte mich mich auf den von der Karte vorgesehenen Weg. Ich wusste wohl, dass dieser bis zum nächsten etwas größeren Ort Folkston, der schon in Georgia liegt, etwas weiter sein würde als die direkten 23 Meilen über die Hauptstraße US 301, aber dass diese Umweg 18 Meilen lang wäre, damit hatte ich doch nicht gerechnet.
Zunächst aber die Grenze nach Georgia. Ich erreichte sie nach etwas über einer Stunde, indem ich die Agrarstation Floridas links liegen ließ und den St Mary's River überquerte. Von der State Line musste ich erstmal eine stolze Twitter Aktualisierung texten und ein paar Fotos machen. Es war schließlich das erste Mal, dass ich Florida per Rad verließ.
Guter Dinge fuhr ich ein paar Minuten weiter nach Saint George, ein winziges Kaff mit einem Lebensmittelladen an einer Tankstelle. Leider gab es kein Obst. So nahm ich ein Twix Peanut Butter. Um meine Ernährung ist es auf dieser Reise wirklich schlecht bestellt.
Ich bog nach Norden ab. Der Gegenwind blies mir wieder voll ins Gesicht und erschwerte meine Fahrt. Als ich nach über zwanzig weiteren, recht ereignislosen Meilen durch Baumschulen und Kiefernwälder endlich nach Folkston kam, war es schon wieder Mittag und es fing wieder an zu regnen. Ich wollte den Poncho nicht mehr anziehen, fror aber ganz erbärmlich und machte mich auf die Suche nach einer Regenjacke. Größe L und XL waren noch zu haben, aber ich konnte froh sein, in dem 2000 Seelen Ort in Georgia im Mai überhaupt ein solch exotisches Kleidungsstück aufzutreiben. Nun machte mir der Regen auch nicht mehr ganz so viel aus. Mittagessen wieder bei Burger King. Das war definitiv das letzte Mal, denn nun kann ich wirklich keine Pommes mehr sehen.
Es gab in der Stadt zwar auch ein Subway, aber ich brauchte etwas Warmes. Das nächste Mal gibt es Subway. Auf jeden Fall! Ich brauche mein Gemüse und Vollkornbrot.
Während des Essens studierte ich meine Karte. Innerhalb der nächsten 50 Meilen gab es kein Hotel. Ich wollte auf keinen Fall im Regen zelten bei der Kälte. Außerdem hatten mir die 18 Meilen Umweg nach Folkston zu denken gegeben. Wenn ich den verschlungenen Wege meiner Karte weiter folgen würde, dann käme ich nie in Charleston an. Ich musste einen direkteren Weg nehmen, auch wenn ich dann mehr Hauptstraßen fahren muss. In einer Tankstelle kaufte ich eine Karte von Georgia und beschloss, auf direkterem Weg nach Blackshear zu fahren. Das waren zwar auch noch 38 Meilen wie ein Straßenschild verriet, aber immerhin sah der Ort auf der Karte groß genug aus um ein Hotel zu haben.
Die ersten 12-13 Meilen auf der vierspurigen Hauptstraße schaffte ich relativ flott, doch sobald ich auf die schmalere 121 abbog, packte mich wieder der Wind mit aller Macht. Keine Ahnung warum das so war, aber es war nicht sehr angenehm. Vielleicht lag es auch daran, dass die Lanschaft freier wurde und die Straße nicht mehr direkt durch dichten Wald führte. Jedenfalls musste ich wieder mein Tempo deutlich reduzieren. Ich zählte die Meilensteine - in Wirklichkeit waren es grüne Schilder, die nach jeder Meile meinen Fortschritt mitteilten - und tröstete mich damit, dass ich trotzdem noch vor fünf in Blackshear eintreffen würde. Gestern war ich bis sieben unterwegs und das fand ich doch etwas zu spät.
Auch die längste Fahrt geht irgendwann zu Ende und so erreichte ich nach 80 Meilen und fast sechseinhalb Stunden reiner Fahrzeit das liebliche Örtchen Blackshear, gegründet 1859, wie das Ortseingangsschild verriet und mit einer typisch amerikanischen Main Street, an dessen Ende sich ein schönes neues Hotel befindet. Ich wollte dort erst gar nicht nachfragen aus Angst vor einem zu hohen Preis, aber das ist eben der Vorteil, wenn man mitten in der Knüste landet. Ich bekam ein sehr schönes Zimmer für $70. Das Hotel hat alle Annehmlichkeiten und Frühstück. Ich nahm es als Entschädigung für das Sauwetter und war zufrieden.
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19 Mai 2009
Atlantic Coast Bike Ride Callahan - Blackshear
Eingestellt von
Kerstin
um
18:34
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