Der folgende Text stammt aus meinem Reise-Tagebuch vom fünften und letzten Tag meiner Radtour von Jacksonville nach Charleston
Es ist geschafft. Ich bin am Ziel meiner Reise angekommen. Ich bin ich Charleston. Fünf Tage hat es gedauert von Jacksonville aus, in denen ich das Hinterland und die Dörfer des Südens kennen gelernt habe. Die Abwesenheit von den Errungenschaften der Zivilisation, immer stärker je weiter ich kam. Schon erstaunlich, wie sehr ich darauf schon fast angewiesen bin. Damit hätte ich eigentlich kaum gerechnet, denn das Problem kannte ich auf dem Weg nach Santiago noch nicht. Da war ich wohl noch jünger und genügsamer und überhaupt gab es in den spanischen und auch den französischen Dorfläden alles was ich brauchte, vor allem Obst und Gemüse, das ich auf dieser Reise doch sehr vermisst habe. Vielleicht sollte ich beim nächsten Mal doch lieber Trockenfrüchte mitnehmen als Notration.
Zum Tag heute kann ich sagen, dass mir das Radfahren trotz Muskelkater in den Oberschenkeln wesentlich leichter fiel. Irgendwas ist an Hauptstraßen, dass ich auf ihnen schneller voran komme. Ist der Asphalt glatter? Warum ist der Gegenwind weniger stark?
Den ganzen Tag war ich bis Charleston auf der Bundesstraße US 17 unterwegs. Ich war darauf vorbereitet, dass sich dieses letzte Stück, auf dem ich nur noch ankommen will, sehr hinziehen kann. Wie die Tage nach Le Puy oder Santiago oder Konstanz. Doch stattdessen flogen die Meilen dahin.
Das Wetter war besser als den Rest der Woche. Leicht bedeckt, wärmer und trocken. Die Abwesenheit von Regen machte mich besonders glücklich und nach einiger Zeit konnte ich sogar die Sonnenbrille herausholen. Wie genial! Zum ersten Mal auf der ganzen Reise.
Eh ich mich versah waren auch schon die ersten 20 Meilen um und ich machte eine kleine Pause, natürlich wieder an einer Tankstelle. Diese war jedoch schon besser bestückt als ihre Vorgänger in den Dörfern im Hinterland. Ich hatte sogar den Luxus an einigen Läden vorbei fahren zu können, weil ich sicher war, dass bald der nächste kam.
Die Strecke wurde auch immer flacher. Die Straße war gesäumt von Wald oder Sumpf. "Low Country". Nun wusste ich, woher dieser Name kam. Das ist die Gegend, der Reisplantagen, die in diesen Sümpfen und diesem Klima die besten Bedingungen fanden.
Zum Mittagessen hatte ich schon zwei Drittel der Strecke geschafft. Hoch erfreut hielt ich in Ravenel am ersten Supermarkt seit Tagen an. Die Auswahl in den Regalen haute mich fast um und ich konnte endlich mal wieder ein Sandwich und Salat essen. Dazu zwei Aprikosen. Wunderbar.
Frisch gestärkt ging es nun bald schon in die Ausläufer der Stadt. Der Verkehr wurde dichter, Geschäfte zahlreicher und bald musste ich ständig an roten Ampeln anhalten. Charleston war nicht mehr weit.
Eine Brücke über einen breiten Fluss brachte mich in die Innenstadt und, oh Wunder! Bald sah ich auch das erste Starbucks in einem niedlichen alten Häuschen.
Die Stadt selber ist wunderbar und versprühte schon auf den ersten Metern einen unwiderstehlichen Südstaatencharme mit farbenfrohen Häuserfronten, langen Balkonen und gusseisernen, kunstvoll gestalteten Geländern. Palmen säumen die schmalen Straßen, auf den Gehsteigen waren Fußgänger und Läufer unterwegs. Ich fühlte mich sofort wohl.
Natürlich musste ich auf einen Kaffee und Blueberry Scone anhalten und mich vor den Laden setzen. Dort hätte ich ewig sitzen bleiben können.
Leider musste ich zu meinem Hotel am Bahnhof in North Charleston, das nicht besonders schön ist, aber eins steht fest: Wir kommen wieder, und den nächsten Abschnitt der Atlantikküsten Radtour nach Washington machen Jon und ich zusammen.
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22 Mai 2009
Atlantic Coast Bike Ride Point South - Charleston
Eingestellt von
Kerstin
um
05:38
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5 Kommentare:
Das perfekte Ende einer langen Reise Bald sah ich auch das erste Starbucks in einem niedlichen alten Häuschen. :)
Sollten wir irgendwann mal in die USA kommen, müssen wir nach Charleston, d.h. Pia will und ich muss :-)
Schließlich hat sie "Vom Winde verweht" bestimmt 5 mal gelesen ;-)
Da hätte ich keine Chance. Eine wirklich tolle Tour habt ihr da hinter Euch. Mal wieder beneidenswert!
Julia, es war auch perfekt ;-)
Martin, Charleston ist wirklich toll, auch ohne Scarlett und Rhett. Ich bin mir sicher, dass es euch dort gefallen wird. Aber was heisst hier USA? Von Kalifornien oder Chicago oder Seattle aus kommt man nicht so einfach nach Charleston. Sogar die Zugfahrt zu uns nach Florida zurueck hat acht Stunden gedauert. Das Land ist riesengross.
da hast du natürlich recht, ich vergesse immer die Maßstäbe. Aber wenn USA, dann sowieso eine längere Reise.
Ich finde es schon ulkig wenn du schreibt" Wir fliegen mal dort hin oder da hin "
Für mich ist alles was länger als 3 Stunden Autofahrt (also400 km :-) ) bedeutet, schon weit weg
Trotz Wind, Regen und einiger Tücken, die man ja immer haben kann, es klingt alles sehr aufregend. Durchs Hinterland zu fahren, fernab von Trubel und gewohntem Komfort ist auch mal wieder eine Erfahrung. Sicher auch interessant, das Leben der Leute dort.
Schön Deine Reiseberichte, ich mag sowas gerne lesen, stelle mir die Gegend vor und versinke darin.
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